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Doppeltes Pech

Endlich war es soweit. Nachdem ich meine Mom acht Monate nicht gesehen hatte, fuhr ich Sonntagmorgen gutgelaunt und voller Vorfreude auf das Wiedersehen mit ihr Erster Klasse, Frau gönnt sich ja sonst nichts, ins Sauerland. Die Zugfahrt war ein Vergnügen. Die Klimaanlage funktionierte, die bequemen Sitze konnten gekippt werden. Ein freundlicher Kellner nahm die Bestellung entgegen, zwischen vier verschiedenen Schwarzteesorten konnte ich wählen. Langeweile kam nicht auf, da ich viele Fotos gemacht habe.  Als ich meine Mutter in ihrem Rollstuhl sah, war es um meine Fassung geschehen. Ich weinte bitterlich. Es schnürt mir jetzt noch die Kehle zu. Den Rest des Tages verbrachte ich ganz wunderbar bei meiner Freundin, so dass ich mich schnell wieder sortieren konnte. Gestern feierten wir in kleinstem Familienkreis den 88. Geburtstag. Am späten Nachmittag bei Affenhitze hieß es Abschied nehmen. Kaum saß ich im Regionalexpress traute ich meinen Ohren nicht. Per Lautsprecher wurden wir informiert, dass aufgrund eines Buschbrandes der Zug nach Schwerte umgeleitet wird. Von dort sollte es mit Bus und U-Bahn zum Hauptbahnhof Dortmund weitergehen. Mein Herz fiel in die Turnschuhe. Ich bin Autofahrerin mit Navi. So schloss ich mich den anderen Fahrgästen an, denn alle wollten zu ihren Zügen. Die Busfahrt war grausam bei den Temperaturen. Mein ICE war inzwischen längst abgefahren. Auch die U-Bahn war eher im Schneckentempo unterwegs. Wir stürzten in den Hauptbahnhof, da traf mich die nächste Keule. Aufgrund kompletten Ausfalls des Stellwerks konnten keine Züge ankommen oder abfahren. Da wurde ich nervös. Die Information einer Bahnmitarbeiterin umschrieb nur vage, es könnte eine Stunde oder fünf Stunden dauern. Mein Hirn arbeitete auf Hochtouren. Abwarten in dieser Hitze oder ein Hotel aufsuchen. Zwischenzeitlich hatte mein Mann online alles mit dem Hinweis auf Twitter und Facebook nachgelesen. Ich entschied mich, eine Stunde zu warten. Auf dem Gleis traf ich Reisende mit Ziel Hamburg wieder. Nach einer halben Stunde fuhr der erste Zug ein. Dann ein ICE auf unserem Gleis. Die Hitze, die der ICE in unsere Richtung blies, war *ohne Worte*. Plötzlich sprang die junge Hamburgerin auf und kam kurz darauf zurück mit der Information, in fünf Minuten fährt ein Zug ab Gleis 16. Schnell schnell schnell von Gleis 8 zum Gleis 16, da stand er schon bereit. Nichts wie hinein und verschnaufen, die Klimaanlage lief auf Hochtouren. Der Schaffner war sehr hilfsbereit und ließ mich kostenlos bis Hamburg-Harburg mitfahren, denn ich wollte auf gar keinen Fall nachts in Bremen nochmals eine Stunde auf meine Zugverbindung in die Nordheide warten. Als ich in Harburg meinen Mann sah, war meine Welt wieder in Ordnung.